Chronologie einer Trennung

Es war 1995, meine Ehe war nach 23 Jahren, entschuldigt den Ausdruck, langweilig. Wir hatten „den Arsch“ voll Schulden und lebten so nebeneinander her. Ich habe mich mehr in meiner Werkstatt als in der Wohnung aufgehalten und mir vorgestellt, wie es in 5 oder 10 Jahren aussieht. Also habe ich ganz kühl überlegt, meine Zukunft geplant, mich auf der Arbeit ins Zeug gelegt und unsere Schulden abgebaut.

Ende 2000 habe ich mir dann eine Wohnung gesucht. Meine Ex und der Rest meiner Umgebung (sprich Verwandte und Bekannte) nahmen das alles nicht so ernst, wie ich es mir vorgenommen hatte. Aber ich wollte meine Situation ändern. Und plötzlich ergab sich für mich eine Möglichkeit. Ich habe Gudrun (am Anfang eine sehr nette Frau) gefunden, habe diese „einmalige“ Chance ergriffen und bin mit zwei Koffern und einer Werkzeugkiste aus der ehelichen Wohnung ausgezogen.

Im Nachhinein war diese (nur 4 Monate dauernde) Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt und ich bin in eine tiefes Loch gefallen (plötzlich im Hotel gewohnt, auf Wohnungssuche, die Zeit lief mir davon und nebenbei auf der Arbeit smilen) und dann habe ich das gemacht, was ich von Anfang an vorhatte, mir eine eigene Wohnung gesucht und gefunden.

Von jetzt an geht es nur noch aufwärts, Learning by doing (vielleicht ist es auch einfach nur Midlifecrisis). Und jetzt mache ich nur noch das, was ich möchte – kreativ sein und keine Kompromisse mehr eingehen.

Windows

Nachdem ich über 15 Jahre auf der Arbeit mit allen möglichen Rechnern zu tun hatte, habe ich mir nun auch privat einen PC angeschafft – mein erster eigener Rechner. Ins Internet gehe ich analog über AOL. Eine ganz neue Erfahrung.

Wohnraum

Da gab es zunächst – in dieser Zeit – das Wichtigste, eine Küche und darin ein alter kohlebetriebener Herd. Ein Herd mit umlaufender verchromter Stange „zum Handtuch trocknen“, gusseiserner Platte und emailliertem Korpus mit ebenfalls emaillierter Backofen- und sonstigen Klappen. Kühlschrank – so was gab es noch nicht. In die Küche gelangte man durch das Wohnzimmer. Ein Raum mit rostbraunrot lackierten Holzdielen, gekälkten 3,8 m hohen Wänden und einem großen einfach verglastem Fenster. In einer Ecke stand ein kleiner Kanonenofen, der im Winter kaum Wärme lieferte. Auf dem Holzdielen lag in der Mitte des Zimmers ein Teppich. Ach was sag‘ ich Teppich, es war lackierte Dachpappe, sogenanntes „Stragula“. Ein Sofa, ein Tisch, 2 Stuhle und ein Schrank komplettierten den Raum. Auf dem Flur, von wo man in die Wohnung gelangte befand sich ein Kleiderschrank. Das war noch solch ein Schrank, der ohne Schrauben, Nägel oder Möbelbeschläge gebaut war. Allein die Konstruktion aus Holz hielt diesen Schrank zusammen.

Oben – unterm Dach juchhe – waren noch zwei Schafräume, einer rechts und einer links vom Dachboden. Meine Schwester – die, die den Krieg überlebt hatte – schlief in einem der Schafräume und meine Eltern und ich in dem anderen Schlafraum. Es waren eher Kammern als Räume, wie man eben zur damaligen Zeit auf die Schnelle einen Dachboden ausgebaut hat. Im Winter war es so kalt, dass auf den einfach verglasten Fensterscheiben sich Eisblumen bildeten und ein kleiner Kohleofen brachte im Winter die Temperaturen nachts nicht wirklich über Null Grad. So manche Winternacht habe ich mit Pudelmütze und Handschuhen schlafen müssen.

Samstags war immer Badetag. Die Waschküche war im Anbau des Bahnhofs nur über den Hof zu erreichen. Ein Waschbottich, eine verzinkte Badewanne aus Eisen und Kohle oder Holz zum Heizen – mehr wurde nicht gebraucht. Zuerst musste der Waschbottich mit Wasser gefüllt werden. Das Wasser wurde dann mit einem Feuer zum Erhitzen gebracht und mit einem Eimer in die Zinkbadewanne gefüllt. Alles ging nach der damals herrschenden Ordnung vor, erst durfte die Mutter baden, dann der Vater und zum Schluss die Kinder. Ich war also immer der letzte, denn vorher war meine Schwester dran. Wer das schon einmal erlebt hat, weiß ein heutiges modernes Badezimmer zu würdigen. Doch als Kind kannte ich das nicht anders.