Wohnraum

Da gab es zunächst – in dieser Zeit – das Wichtigste, eine Küche und darin ein alter kohlebetriebener Herd. Ein Herd mit umlaufender verchromter Stange „zum Handtuch trocknen“, gusseiserner Platte und emailliertem Korpus mit ebenfalls emaillierter Backofen- und sonstigen Klappen. Kühlschrank – so was gab es noch nicht. In die Küche gelangte man durch das Wohnzimmer. Ein Raum mit rostbraunrot lackierten Holzdielen, gekälkten 3,8 m hohen Wänden und einem großen einfach verglastem Fenster. In einer Ecke stand ein kleiner Kanonenofen, der im Winter kaum Wärme lieferte. Auf dem Holzdielen lag in der Mitte des Zimmers ein Teppich. Ach was sag‘ ich Teppich, es war lackierte Dachpappe, sogenanntes „Stragula“. Ein Sofa, ein Tisch, 2 Stuhle und ein Schrank komplettierten den Raum. Auf dem Flur, von wo man in die Wohnung gelangte befand sich ein Kleiderschrank. Das war noch solch ein Schrank, der ohne Schrauben, Nägel oder Möbelbeschläge gebaut war. Allein die Konstruktion aus Holz hielt diesen Schrank zusammen.

Oben – unterm Dach juchhe – waren noch zwei Schafräume, einer rechts und einer links vom Dachboden. Meine Schwester – die, die den Krieg überlebt hatte – schlief in einem der Schafräume und meine Eltern und ich in dem anderen Schlafraum. Es waren eher Kammern als Räume, wie man eben zur damaligen Zeit auf die Schnelle einen Dachboden ausgebaut hat. Im Winter war es so kalt, dass auf den einfach verglasten Fensterscheiben sich Eisblumen bildeten und ein kleiner Kohleofen brachte im Winter die Temperaturen nachts nicht wirklich über Null Grad. So manche Winternacht habe ich mit Pudelmütze und Handschuhen schlafen müssen.

Samstags war immer Badetag. Die Waschküche war im Anbau des Bahnhofs nur über den Hof zu erreichen. Ein Waschbottich, eine verzinkte Badewanne aus Eisen und Kohle oder Holz zum Heizen – mehr wurde nicht gebraucht. Zuerst musste der Waschbottich mit Wasser gefüllt werden. Das Wasser wurde dann mit einem Feuer zum Erhitzen gebracht und mit einem Eimer in die Zinkbadewanne gefüllt. Alles ging nach der damals herrschenden Ordnung vor, erst durfte die Mutter baden, dann der Vater und zum Schluss die Kinder. Ich war also immer der letzte, denn vorher war meine Schwester dran. Wer das schon einmal erlebt hat, weiß ein heutiges modernes Badezimmer zu würdigen. Doch als Kind kannte ich das nicht anders.