MCMXLIX – ein ereignisreiches Jahr

Wie war und was war 1949?

• Die Bundesrepublik Deutschland wird gegründet
• Das Grundgesetz tritt in Kraft
• Ergebnis der 1. Bundestagswahl: CDU/CSU 31,0%, SPD 29,2% und FDP 11,9%
• Theodor Heuss wird der erste Bundespräsident
• Konrad Adenauer wird erster Bundeskanzler
• Die DDR und der DGB werden gegründet
• Das Weingut J. Riedel füllt den Hallgartener Frühenberg Riesling Spätlese ab
• Der Italiener Fausto Coppi gewinnt die Tour de France
• Peter Müller wird in Berlin Deutscher Meister der Berufsboxer im Mittelgewicht
• VfR Mannheim wird Deutscher Fußballmeister
• Karl Berbuer singt »Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien«
• Rudi Schuricke singt »Capri-Fischer«
• Der »olle Osel« (ein Sonntagskind) betritt die Welt

Ein Knabe erblickt das Licht der Welt

Ende der 40ziger Jahre in einem kleinen Ort am linken Niederrhein, der zweite Weltkrieg ist seit einigen Jahren vorüber, der Schutt der zerbombten Häuser ist zum größten Teil schon weggeräumt und das „normale“ Leben in Friedenszeiten beginnt sich allmählich zu festigen. Flüchtlinge und Einheimische mussten mit dem knappen Wohnraum irgendwie zurechtkommen.

Wohnraum, das ist auch so etwas. Mein Elternhaus war ein Bahnhof mit zugehöriger Gaststätte. Altbau „von vor dem Krieg“ mit 3,8 m hohen Decken – ein Wohnzimmer, eine kleine Küche und Schafräume unter dem Dach. Darüber hinaus gab es eine Waschküche, die man nur über den Hof erreichen konnte. Zur Toilette musste man jedes Mal durch einen Flur und durch die Küche der Gaststätte gehen. Wie schon gesagt, der Wohnraum war knapp und man musste mit dem, was einem zugewiesen wurde, zurechtkommen. So ist es auch meinen Eltern ergangen.

Meine Mutter hatte den langen Trail von Ostpreußen an den linken Niederrhein lebend überstanden. Leider musste sie auf dem langen Weg ihre älteste Tochter zurücklassen, sie ist schlicht verhungert. Immer mehr Männer kamen aus der Kriegsgefangenschaft zurück in die Heimat oder dorthin wo es den Rest der Familie hingeschlagen hat. So auch mein „alter Herr“ – mein Vater. Aus dieser Wiedersehensfreude erblicke 1949 an einem Sonntagmorgen ein kleiner schmächtiger Knabe das Licht der Welt in den Resten des Joseph-Stifts. Es war das eine von zwei Krankenhäusern im Ort. Meine Mutter ist dabei fast hops gegangen, aber sie ist eine starke Frau und hat es überlebt. In meiner Geburtsurkunde steht dann auch, dass der Weichenwärter Ewald und seine Frau, die Hausfrau Gertrud, einen Sohn bekommen haben.